☕🤝 Kaffee und soziale Nachhaltigkeit – geht das überhaupt zusammen?

Morgens aufstehen – Kaffee. Kurze Pause zwischendurch – Kaffee. Das Nachmittagstief nach dem Mittagessen bekämpfen – Kaffee. Das aromatische Heißgetränk ist hochgradig beliebt und so oder ähnlich sieht der (Arbeits-)Alltag vieler Menschen aus. Dies zeigt sich auch in der Statistik: Kaffee ist neben Mineralwasser das beliebteste Getränk der Deutschen, so eine Umfrage der Techniker Krankenkasse. Doch bei all dem Genuss hat Kaffee in seiner Produktion und der sehr komplizierten Lieferkette ein etwas schlechtes Image. Neben negativen Konsequenzen für die Umwelt überschatten vor allem soziale Folgen das sonst so schillernde Bild des Kaffees und führen beinahe unweigerlich zu der Frage: Wie kann man als nachhaltigkeitsbewusster Mensch guten Gewissens Kaffee genießen?

Schauen wir uns das einmal genauer an. Neben negativen Auswirkungen auf die Umwelt wie Waldrodung, der Verlust von biologischer Vielfalt, Erosion und einem hohen Wasserverbrauch lohnt es sich, die soziale Komponente der Kaffeeproduktion genauer unter die Lupe zu nehmen. Und hier wird es schnell kompliziert: Auf dem Weg vom Anbau der Kaffeepflanze bis hin zum Genuss des fertigen Cappuccinos durchläuft Kaffee eine lange Wertschöpfungskette über Ernte, Aufbereitung, Röstung und Handel. Das Problem hierbei? Die fehlende Transparenz und die vielen menschenrechtlichen Risiken innerhalb der Wertschöpfungskette.

Dies beginnt bereits beim Anbau der Kaffeepflanzen. Ein hoher Anteil von Kinderarbeit auf den Kaffeeplantagen stellt eine dramatische menschenrechtliche Problemstellung dar. Zusätzlich sorgt der hohe Einsatz von Pestiziden nicht nur für eine enorme direkte gesundheitliche Gefährdung der Arbeiter*innen, sondern belastet auch das Grundwasser in den Anbaugebieten, wodurch auch Anwohner*innen einer gesundheitlichen Belastung ausgesetzt sind.

Das Problem: Weltweit sind viele Millionen Menschen wirtschaftlich vom Handel mit Kaffee abhängig, welcher einen wichtigen Wirtschaftsfaktor in den Anbaugebieten darstellt. Doch hier schließen sich direkt die nächsten Probleme an: Zum einen der Aspekt, dass die Ernte extrem von äußeren Einflüssen wie durch den Klimawandel zunehmend auftretenden Wetterverhältnissen und Krankheiten abhängig ist und sich Ernteausfälle stark auf den Kilopreis auswirken. Zum anderen fließt nur ein sehr geringer Teil vom Verkaufspreis des fertigen Kaffees an die Kaffeebauern, ähnlich verhält es sich auch mit Kaffeehändler*innen. Die Folge: Der geringe Preis ermöglicht kaum ein ausreichendes Einkommen und steigert Armut in den Anbaugebieten. Und hier schließt sich ein Teufelskreis: Die Armut wiederum verhindert den Zugang zu Bildung und führt letztlich zu einem Anstieg von Kinderarbeit.

Spätestens hier stellt sich also die Frage: Kann man überhaupt noch guten Gewissens Kaffee trinken?

Einen Ansatz bildet der faire Handel, auch bekannt als Fairtrade. Ein Kriterienset an ökologischen und sozialen Kriterien soll sicherstellen, dass Produkte wie Kaffee unter Einhaltung menschenrechtlicher Standards hergestellt werden. Erkennbar wird dies für Verbraucher*innen am weithin bekannten Fairtrade-Siegel. Dieses darf von Produzenten, Händlern oder Herstellern nur verwendet werden, wenn sie die Einhaltung der Kriterien in einem unabhängigen Audit überprüfen lassen haben. Darüber hinaus unterstützt Fairtrade teilnehmende Unternehmen, setzt Mindestpreise und leistet politische Arbeit. Demgegenüber steht jedoch der Kritikpunkt von hohen Kosten für die Zertifizierung, die von Produzenten teils nicht oder nur schwer zu stemmen sind.

Letztendlich verhält es sich mit Fairtrade-Kaffee wie so häufig: Es ist nicht die Lösung aller Probleme. Und doch hilft Fairtrade, menschenrechtliche Standards in der schwierigen Wertschöpfungskette von Kaffee besser zu gewährleisten.

🤔 Wie haltet ihr es mit dem Kaffeegenuss? Bietet ihr euren Gästen Fairtrade-Kaffee oder gar Ersatzprodukte mit weniger problematischer Wertschöpfungskette an? Erzählt es uns in den Kommentaren! 💬