Hier ein grünes Logo, da ein Abzeichen, dort ein Slogan – doch der Durchblick, was davon welche konkrete Bedeutung hat, scheint eine Wissenschaft für sich zu sein. Die große Vielfalt nachhaltiger Zertifizierungen sorgt nicht selten für große Verwirrung bei den Endverbraucher*innen. Was mit der erschwerten Unterscheidung der verschiedenen Labels an sich beginnt, setzt sich damit fort, dass auf den ersten Blick nur wenig über die genauen Hintergründe des jeweiligen Siegels bekannt wird. Doch betrachtet man aktuelle Entwicklungen in der EU-Regulatorik, wird damit ab September 2026 Schluss sein.
Für mehr Überblick soll die EU-Richtlinie mit dem Namen „Empowering Consumers for the Green Transition“, die als EmpCo-Richtlinie abgekürzt wird, sorgen. Die EmpCo-Richtlinie soll Klarheit in Bezug auf die Nachhaltigkeitskommunikation bringen – mit Folgen für die diverse Landschaft nachhaltiger Zertifizierungen und zugehöriger Siegel.
Doch von vorne. Mit der EmpCo soll zukünftig untersagt werden, bestimmte Begriffe wie „umweltfreundlich“, „nachhaltig“ oder „grün“ zu verwenden, wenn diese nicht eindeutig erläutert werden oder nicht auf einem bestimmten Standard beruhen. Zusätzlich dürfen Produkte oder Dienstleistungen auch nicht mehr einfach als „klimaneutral“ bezeichnet werden, wenn diese Klimaneutralität durch die Kompensation angefallener Emissionen angestrebt wird – diese muss als solche benannt werden. Ähnlich verhält es sich mit Aussagen, die sich auf ein gesamtes Produkt beziehen: wenn beispielsweise lediglich die Umverpackung eines Produktes aus recycleten Materialen besteht, muss klar erkennbar sein, dass sich die Aussage eben nur auf die Verpackung bezieht, nicht aber auf das gesamte Produkt. Zuletzt sollen auch Vorgaben für die Kommunikation von zukünftigen Zielen kommen: wenn eine Dienstleistung beispielsweise bis zum Jahr 2035 klimaneutral angeboten werden soll, muss das zugrundeliegende Konzept öffentlich einsehbar sein und regelmäßig unabhängig überprüft werden.
Was auf den ersten Blick nach ziemlich vielen Verboten und zusätzlicher Verwirrung klingt, hat aber ein wichtiges Ziel: die EU möchte mit der Richtlinie in Zukunft Greenwashing und das Werben mit unklaren, intransparenten Aussagen unterbinden. Auch scheinbar nachhaltige Aspekte, die durch Gesetze ohnehin vorgeschrieben und damit selbstverständlich sind, dürfen nicht mehr für Marketing mit dem Thema Nachhaltigkeit genutzt werden. Wie der Name schon sagt, sollen Endverbraucher*innen dazu befähigt werden, mehr Orientierung über die Qualität von Aussagen zum Thema Nachhaltigkeit zu gewinnen. Und schließlich belohnt die neue Regulatorik Unternehmen, die sich tatsächlich mit dem Thema auseinandersetzen und Nachhaltigkeit strategisch in ihre Prozesse einbinden.
Doch was bedeutet das Ganze jetzt für Nachhaltigkeitssiegel?
Die zuvor beschriebenen Neuerungen führen quasi gezwungenermaßen dazu, dass sich auch hier eine Menge ändern wird. Kurz gesagt sind in Zukunft nur noch Label erlaubt, hinter denen ein transparentes und glaubwürdiges System steckt. Labels, die ohne öffentlich zugängliche Kriterien mit dem Thema Nachhaltigkeit werben, sind dann nicht mehr erlaubt. Hinzu kommt die Notwendigkeit einer externen, unabhängigen Überprüfung dieser Kriterien, bevor das Siegel verwendet werden darf.
Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass sich der eingangs angesprochene, teils undurchschaubare „Labeldschungel“ durchaus lichten wird. Viele Siegel, deren Kriterien nicht öffentlich einsehbar sind oder die keine externe Überprüfung durch eine*n unabhängige*n, anerkannte*n Auditor*in benötigen, dürften mit Einführung der Richtlinie wegfallen.
Doch welche Zertifizierungen bleiben dann noch? Hier ist die Antwort klar: Label, die staatlich anerkannt sind (wie z.B. das EU Ecolabel) oder eben auf einem transparenten System mit öffentlich einsehbaren Kriterien und einer unabhängigen Prüfung beruhen. Hierzu zählen beispielsweise Managementsysteme nach ISO-Normen. Orientierung gibt auch eine Anerkennung von Zertifizierungssystemen durch das Global Sustainable Tourism Council (GSTC). Derartige Zertifizierungen basieren auf einem klaren Kriterienkatalog und münden in einer unabhängigen Überprüfung, bevor das Siegel vergeben wird.
Deutlich wird also: Die EU macht Schluss mit Greenwashing und unklaren Nachhaltigkeitsaussagen, die Fragezeichen bei den Kund*innen zurücklassen. Stattdessen soll die EmpCo eine neue Klarheit bringen und somit Endverbraucher*innen dazu befähigen, einen wirklichen Beitrag zu einer nachhaltigeren Zukunft zu leisten.
👉 Was denkt ihr über die neue EmpCo-Richtlinie? Dringend notwendige „Lichtung im Labeldschungel“ oder biedere Vorschrift für das Marketing? Teilt gerne eure Gedanken hierzu und erzählt uns, ob ihr mit den Vorboten der Richtlinie bereits in Berührung gekommen seid! 💬

