đŸŒŸđŸ€§ Da liegt was in der Luft – Wie Allergiker*innen unmittelbar vom Klimawandel betroffen sind

Die Augen jucken, die Nase lĂ€uft und ein lautes Niesen kommt im Minutentakt – der freudig erwartete FrĂŒhlingsbeginn ist fĂŒr viele Allergiker*innen von den typischen Heuschnupfen-Symptomen ĂŒberschattet. Und das ist fĂŒr immer mehr Menschen eine Begleiterscheinung der sonst so schönen Jahreszeit: Wie die Umweltmedizinerin Claudia Traidl-Hoffmann erlĂ€utert, hat in Europa aktuell bereits etwa jeder Dritte mit Allergien zu kĂ€mpfen – ein exponentieller Anstieg sorgt jedoch dafĂŒr, dass schon bis 2050 jeder Zweite betroffen sein könnte.

Doch woher kommt diese Zunahme und das GefĂŒhl bereits Betroffener, dass die Symptome von Jahr zu Jahr schlimmer werden? Die Antwort wirkt so simpel wie besorgniserregend zugleich und ihr ahnt es vielleicht schon anhand des Beitragstitels: Der Klimawandel hat auch hier seine Finger im Spiel. Grund genug, einmal genauer zu schauen, wie die Themen Klimawandel und Allergien zusammenhĂ€ngen.

Was viele Allergiker*innen schon seit Jahren im GefĂŒhl haben, ist eine Tatsache: Die Pollensaison beginnt frĂŒher und dauert lĂ€nger an. Grund hierfĂŒr sind die milderen Herbst- und Wintertemperaturen, die die KlimaerwĂ€rmung mit sich bringt, wie die Landschaftsökologin Susanne Jochner-Oette darstellt. Diese sorgen dafĂŒr, dass Pflanzen frĂŒher blĂŒhen und erst spĂ€ter in den Wintermodus gehen. Die Folge: Statt wohltuender Ruhe vor den Allergien in Herbst und Winter dĂŒrfen sich Betroffene nur noch auf einen kurzen Zeitraum ohne Symptome freuen.

Doch damit nicht genug: Die Temperaturanstiege sorgen auch dafĂŒr, dass sich vermehrt invasive Arten in Mitteleuropa ausbreiten und das Problem weiter verschĂ€rfen. Hierzu zĂ€hlt beispielsweise die ursprĂŒnglich aus Nordamerika stammende Ambrosia, die bei Allergiker*innen starke Reaktion auslösen kann. DarĂŒber hinaus blĂŒht die Pflanze auch erst im SpĂ€tsommer – ein weiterer Faktor fĂŒr eine lĂ€ngere Pollensaison.

Und auch die Wahrnehmung Betroffener, dass die allergischen Reaktionen stĂ€rker ausfallen, kommt nicht von UngefĂ€hr: Starkwetterereignisse wie lange DĂŒrre- und Hitzeperioden oder Starkregen setzen Pflanzen zunehmend unter Stress. Diese reagieren darauf, indem sie ihr Immunsystem einschalten und vermehrt Pollen-Proteine bilden. Diese sind schließlich dafĂŒr verantwortlich, dass die allergische Reaktion bei Betroffenen stĂ€rker ausfĂ€llt, wie die Umweltmedizinerin Claudia Traidl-Hoffmann erklĂ€rt.

Doch nicht nur hinsichtlich Pollenallergien wirkt sich der Klimawandel negativ aus. Durch Starkwetterereignisse wie Starkregen und Überschwemmungen zeigt sich noch ein anderes Problem: ein stĂ€rkerer Befall mit Schimmelpilzen. Dies bezieht sich nicht nur auf Probleme mit Schimmel in GebĂ€uden, sondern auch auf einen stĂ€rkeren Pilzbefall an BĂ€umen. Und schließlich sind auch Schimmelpilze dafĂŒr bekannt, allergische Reaktionen auszulösen.

Zuletzt wird das Problem auch durch die erhöhte Feinstaubbelastung weiter verschÀrft. Die Landschaftsökologin Susanne Jochner-Oette erklÀrt, dass Pollen durch Luftschadstoffe ihre Allergene bereits in der AtmosphÀre freisetzen. Die Allergene wiederum haften sich an den Feinstaub und können so tief in die Atemwege eindringen, was allergisches Asthma auslösen und verstÀrken kann. ZusÀtzlich stellt die Umweltmedizinerin Claudia Traidl-Hoffmann klar, dass Schadstoffe und Chemikalien die Abwehrmechanismen des Körpers schwÀchen. Auch hier liegt die Konsequenz in stÀrkeren Reaktionen.

Klingt alles ganz schön dĂŒster, oder? Zeit also, auf mögliche LösungsansĂ€tze zu schauen!

Deutlich wird, vor allem in Bezug auf Pollenallergien, dass hier der Stadtplanung eine wichtige Rolle zukommt. Die Bepflanzung öffentlicher RĂ€ume sollte möglichst allergiker*innenfreundlich gestaltet werden. Eine BegrĂŒnung von PlĂ€tzen mit hochallergenen Baumarten wie Hasel oder Birke wirkt da eher kontraproduktiv. Stattdessen sollte auf Arten mit einem geringen Allergiepotential wie etwa Ahorn, Kirsch- oder ApfelbĂ€ume gesetzt werden. Generell gilt: Pflanzen, die hauptsĂ€chlich durch Insekten bestĂ€ubt werden, besitzen ein deutlich geringeres Allergiepotential.

Und hier schließt sich auch der Kreis, was jede*r Einzelne im Sinne einer allergiker*innenfreundlichen BegrĂŒnung tun kann: Eine Bepflanzung mit geringem Allergiepotential schĂŒtzt nicht nur Allergiker*innen, sondern leistet auch einen Beitrag im Sinne der BiodiversitĂ€t, wenn insektenfreundliche Pflanzen genutzt werden. Statt also auf GrĂ€ser, Baum- und Pflanzenarten mit hohem Allergiepotential zu setzen, sollte die Auswahl auf Pflanzen mit großen, von Insekten bestĂ€ubten BlĂŒten oder BĂ€ume und StrĂ€ucher wie ObstbĂ€ume, den bereits genannten Ahorn oder beispielsweise Rot- und Weißdorn gesetzt werden.

Am Ende sind es also wieder einmal relativ kleine Schritte, die jede*r Einzelne unternehmen kann. Und dies sogar mit mehreren Vorteilen – fĂŒr Allergiker*innen und die Umwelt gleichzeitig!

đŸ€” Wie sieht es bei euch aus? Seid ihr unter UmstĂ€nden selber von Allergien betroffen? Und habt ihr euch bei der Bepflanzung eures Standortes, eurer Location oder auch von eurem eigenen Garten oder Balkon schon einmal Gedanken zum Thema Allergien gemacht? ErzĂ€hlt es uns gerne in den Kommentaren! 💬